Von Dülmen bis Argentinien

Die Aufträge, die bei Alfred Frecking auf dem Tisch laden, sind alles andere als gewöhnlich. Mit seinem Team übernimmt der Geschäftsführer der Drehtechnik Frecking aus Dülmen die Fertigung von Einzelteilen und Kleinserien, vor allem kniffelige Zerspanungsaufgaben wie beispielsweise die Bearbeitung von besonders dünnwandigen Teilen. Vor kurzem hat Frecking zum Beispiel Flügelräder einer Lüftungsanlage für die Arbeit unter Tage in Kasachstan und Argentinien angefertigt.

Frecking agiert als Zulieferer für Maschinenbauunternehmen, die unter anderem Entstaubungsanlagen für den Bergbau konzipieren. „Wir sind in Dülmen und Umgebung sehr gut mit Maschinenbauunternehmen, die international tätig sind, vernetzt, sodass wir immer wieder spannende und ungewöhnliche Aufträge bekommen“, erklärt Alfred Frecking. Die Werkstücke des Unternehmens werden auch im Tagebau benötigt, bei dem Metalle oder Erze gewonnen werden, sodass Frecking immer wieder als Zulieferer für Projekte im Ausland zum Einsatz kommt. Darüber hinaus fertigt das Dülmener Team auch Teile für Lüftungsanlagen an, die an ganz anderen Orten zum Einsatz kommen: zum Beispiel im Tunnelbau für die Deutsche Bahn, im Windkanal eines Trampolinparks, aber auch im Schiffsbau und in Windkraftanlagen werden Bauteile von Frecking benötigt.
Die Anforderungen für solche Propeller sind oft sehr spezifisch, wie der Feinwerkmechaniker- und Maschinenbaumeister erläutert: „Da geht es um jeden hundertstel Millimeter. Beim Zuschneiden der Anlagenteile gibt es nur einen sehr geringen Spielraum, der gerade einmal so breit ist wie ein Haar. Da ist noch viel Handarbeit gefragt.“ Um die großen, schwere Teile zu bewegen, hat das Unternehmen in einen modernen Maschinenpark investiert. „Mit unserem CNC-Dreh-Fräszentrum können wir Elemente mit einer Länge von bis zu vier Metern bearbeiten“, betont Frecking, der sich 2003 mit seinem Unternehmen selbstständig gemacht hat. Aktuell beschäftigt er vier Mitarbeiter.
Das Team würde er gerne wieder mit jungen Menschen verstärken. „Wir sind immer offen für Jugendliche, die nach Schulschluss gerne mal in unsere Produktion hineinschnuppern möchten, um zu schauen, ob der Beruf des Feinwerkmechanikers zu ihnen passen könnte“, betont Frecking. 3,5 Jahre dauert die Lehre. „In unserer Lehrwerkstatt können sich die Azubis ausprobieren und Dreh- und Fräsarbeiten selbstständig ausführen. Aber auch an den Kundenprojekten dürfen sie bereits mitwirken“, erklärt der Handwerksmeister und er betont: „Auch wenn vielen Bewerbern die in unserem Beruf wichtigen Mathematikkenntnisse noch fehlen, ist das kein Beinbruch. Gemeinsam bekommen wir das schon hin! Das wichtigste ist, dass die Kandidaten Spaß an Technik haben und sich nicht davor scheuen, anzupacken. Die Ausbildung ist eine gute Grundlage für den beruflichen Werdegang, da sie das Praxiswissen vermittelt, das in einem Maschinenbaustudium in der Form nicht erlernt werden kann. Einer unserer ehemaligen Azubis hat seine Lehre sogar als Innungsbester abgeschlossen und ist heute als Professor in Stockholm tätig“, berichtet Frecking nicht ohne Stolz.

Anja Wittenberg